
Wir behandeln nach folgenden Standardtherapiekonzepten sowie nach Konzepten neuesten wissenschaftlichen Standards:
+ Sensorische Integrationstherapie nach Jean Ayres (* 1920; † 1989) war eine Entwicklungspsychologin.
Nach einer Ausbildung und Arbeit als Beschäftigungstherapeutin hat sie Psychologie studiert und ihre Habilitation am Institut für Hirnforschung der University of California in Los Angeles (UCLA) abgelegt. Als Therapeutin hat sie sich mit neurologischen Auffälligkeiten auseinandergesetzt und die Theorie der sensorischen Integration entwickelt. Dieser Ansatz versucht unterschiedliche motorische Störungen aus fehlerhafter Verarbeitung sensorischer Informationen im Gehirn zu erklären. Zur Therapie dieser Störungen setzte sie am Erlernen grundlegender Verarbeitungsmechanismen an. 1976 gründete sie mit anderen zusammen die Ayres-Clinik in Torrance/USA, in der Kinder behandelt und Therapeuten ausgebildet werden.
+ Frostig-Konzept nach Marianne Frostig (* 1906; † 1985) arbeitete als Sozialarbeiterin, Lehrerin und Psychologin.
Bekannt wurde sie durch ihre ganzheitliche, kindorientierte, pädagogisch-therapeutische Förderung vor allem teilleistungsgestörter, lerngestörter, emotional und sozial benachteiligter Kinder. Marianne Frostig verknüpfte in ihrer Arbeit Elemente der Pädagogik, Psychologie, Neurologie, Neuropsychologie und Soziologie. Sie war Gründerin und Direktorin des Marianne-Frostig-Zentrums für Heilpädagogik in Los Angeles (Marianne Frostig Center of Educational Therapy). Das heutige Frostig-Center befindet sich in Pasadena, Kalifornien.
In ihrem Ansatz legte sie großes Gewicht auf:
- diagnostische Beobachtung und Beurteilung der Stärken und Schwierigkeiten eines Kindes
- Individualisierung
- Motivation
- vielfältige Methodik
- systematisches Vorgehen
Bekannt wurde der nach ihr benannte „Frostigs Entwicklungstest der visuellen Wahrnehmung“ (FEW). Damit wurde eine diagnostische Differenzierung visueller Wahrnehmung möglich (visuo-motorische Koordination, Figur-Grund-Wahrnehmung, Wahrnehmungskonstanz, Wahrnehmung der Raumlage und räumlicher Beziehungen). Neben vielen anderen Publikationen hat sie die "Bewegungserziehung. Neue Wege der Heilpädagogik" entwickelt und veröffentlicht.
Frostigs „Educational Therapy“ wird in Deutschland von der Internationalen Frostig-Gesellschaft weiterentwickelt.
+ Affolter Konzept nach Félicie Affolter (* 1926) ist eine Schweizer Psychologin und Psychotherapeutin.
Sie entwickelte als Schülerin des Entwicklungspsychologen Jean Piaget ihr Konzept während jahrelanger Arbeit mit wahrnehmungsgestörten Patienten. Handlungsabläufe, die von Patienten mit Wahrnehmungsproblemen nicht ausführbar sind, werden gemeinsam mit dem Therapeuten ausgeführt. Dadurch werden alltägliche Handlungsabläufe wieder erfahren, begriffen, spürbar, vertrauter; selbstständiges Handeln wird möglich und ein Lernprozess beginnt. Durch diese geführten Interaktionserfahrungen werden motorische, kognitive und emotionale Leistungen gefördert.
Das Affolter-Konzept wird auch „Geführte Interaktionstherapie“ genannt. Diese Therapie ermöglicht es den Patienten, praktisch und alltagsbezogen zu lernen. Bei gestörter Wahrnehmung kann man durch gezieltes Führen an Händen und Körper während alltäglicher Geschehnisse zur Verbesserung der gespürten Informationssuche beitragen. Führen bedeutet, dass eine andere Person (Therapeut, Angehörige, Pflegepersonal etc.) mit dem Körper des Patienten Handlungen so ausführt, dass gemeinsam Beziehungen zwischen Patient und Umwelt hergestellt werden.
Das Arbeiten nach Affolter gehört mittlerweile zu den wichtigsten therapeutischen Ansätzen in der Arbeit mit schwer wahrnehmungsgestörten Patienten.
+ Bobath-Konzept ist ein rehabilitativer Ansatz in der Therapie und Pflege von Patienten mit Schädigungen des Gehirns oder des Rückenmarks. Benannt ist es nach ihren Entwicklern Berta Bobath (* 1907; † 1991), einer Physiotherapeutin und ihrem Ehemann, dem Neurologen Karel Bobath (* 1906; † 1991).
Die Grundlagen
Das Konzept beruht auf der Annahme der „Umorganisationsfähigkeit“ des Gehirns, das heißt dass gesunde Hirnregionen die zuvor von den erkrankten Regionen ausgeführten Aufgaben neu lernen und übernehmen können. Häufig sind bei traumatischen Hirnschädigungen nicht die eigentlichen Kontrollzentren zerstört, sondern Verbindungswege unterbrochen, die durch konsequente Förderung und Stimulation des Patienten von Seiten aller betreuenden Personen neu gebahnt werden können. Insbesondere nach einem Schlaganfall bei halbseitig gelähmten Menschen (Hemiplegikern) kann das Konzept gute Erfolge in der Rehabilitation erzielen. Es muss jedoch kritisch angemerkt werden, dass das Bobath-Prinzip im Gegensatz zu anderen Therapien, wie zum Beispiel der Forced Use Therapy (FUT) bisher nicht durch wissenschaftliche Studien als signifikant wirksam eingestuft werden konnte.
Hemiplegiker neigen häufig dazu, ihre gelähmte (mehr betroffene) Seite zu vernachlässigen, bis hin zur völligen Leugnung und dafür ihre Einschränkungen um so mehr mit ihrer beweglichen (weniger betroffenen) Hälfte zu kompensieren. Solche einseitigen Bewegungen helfen dem Patienten jedoch nur vordergründig, da die mehr betroffene Seite nicht die Möglichkeit erhält, neue Informationen zu empfangen und zu verarbeiten. Das Gehirn kommt also gar nicht in Verlegenheit, sich umzustrukturieren. Statt dessen besteht auf Grund asymmetrischer Bewegungen eher die Gefahr, schmerzhafte Spastiken zu entwickeln.
Das Hauptprinzip des Bobath-Konzepts bezieht dagegen die mehr betroffene Körperseite immer wieder in Alltagsbewegungen ein, indem sie sensorisch stimuliert wird, um sie in ihren Bewegungen mit der weniger betroffenen Körperhälfte in Einklang zu halten.
Inhalt und Ziel des Bobath-Konzeptes
Das Bobath-Konzept ist das weltweit in allen pflegerischen Bereichen erfolgreich angewandte Pflege- und Therapiekonzept zur Rehabilitation von Menschen mit Erkrankungen des ZNS, die mit Bewegungsstörungen, Lähmungserscheinungen und Spastik einhergehen. Die Kernprobleme bei der Arbeit nach dem Bobath-Konzept sind die zentral bedingte teilweise oder vollständige Lähmung (Parese bzw. Plegie) eines Körperabschnittes, die Haltungs-, Gleichgewichts- und Bewegungsstörungen, unkontrolliert erniedrigte Muskelspannung (Hypotonus, schlaffe Lähmung) bzw. unkontrolliert erhöhte Muskelspannung (Hypertonus, Spastik) sowie die Störungen der Körperselbstwahrnehmung (Propriozeption). Das Bobath-Konzept strebt einen Lernprozess des Patienten an, um mit ihm die Kontrolle über die Muskelspannung (Muskeltonus) und Bewegungsfunktionen wieder zu erarbeiten. Die Arbeitsprinzipien des Bobath-Konzeptes sind Regulation des Muskeltonus und Anbahnung physiologischer Bewegungsabläufe. Alle Lernangebote an den Patienten werden nach diesen beiden Prinzipien gestaltet und auch vom Erfolg her beurteilt. Die "Methoden" des Bobath-Konzeptes sind Lernangebote, die dem Patienten nach einem individuellen pflegerischen Befund von Problemen, Ressourcen und Pflegezielen wiederholt und gezielt entgegengebracht werden. Lernangebote der Pflegetherapie sind insbesondere die Lagerung (Vermeidung bzw. Hemmung der Spastik), das Handling (Bewegungsanbahnung) und das Selbsthilfetraining (Anbahnung der Selbstpflegefähigkeit). Ein schematisiertes Arbeiten mit stets gleichförmigen "Übungen" ist nicht im Sinne des Bobath-Konzeptes. Die therapeutische Pflege von hirngeschädigten Menschen nach dem Bobath-Konzept muss so früh wie möglich beginnen, damit negative Entwicklungen, wie Ausbildung von Spastik und Erlernen unphysiologischer bzw. unnötiger, kompensatorischer Bewegungsabläufe verhindert bzw. kontrolliert werden können. Hemiplegiepatienten, die im Akutkrankenhaus nach Bobath gepflegt wurden, haben bessere Erfolgsaussichten in der weiteren Rehabilitation. Das Bobath-Konzept bereichert die Pflege, weil es eine selbständige und vom Arzt unabhängige, selbstbestimmte therapeutische Pflege ermöglicht. Zugleich ermöglicht es eine echte, ineinandergreifende Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen im Krankenhaus. Ein positiver Effekt ist auch die sehr rückenschonende Arbeitsweise beim Handling nach Bobath.
Bei wem das Bobath-Konzept angewandt wird
Patienten mit Hirnschäden und zentralen Lähmungen galten noch vor einigen Jahren als Pflegefälle. Durch gezielte pflegetherapeutische und andere therapeutische Maßnahmen können sie heute durchaus einer erfolgreichen Rehabilitation zugeführt werden. Typische Anwendungsbereiche des Bobath-Konzeptes sind alle Krankheitsbilder mit zentral bedingten Lähmungen, die mit Spastik einhergehen. Die Erkrankung, bei der das Bobath-Konzept am häufigsten angewandt wird, ist der apoplektische Insult bzw. der Schlaganfall (Hirninfarkt), der mit einer Halbseitenlähmung (Hemiplegie) einhergeht. Die Zahl der Patienten mit ischämischen (durch Minderdurchblutung bedingten) Insulten (Anfällen), die die akute Phase des Krankheitsgeschehens überleben, nimmt in den letzten Jahren erheblich zu. Die veränderte Gestaltung ganz normaler Krankenpflege nach dem Bobath-Konzept verbessert die weiteren Aussichten dieser Patienten im Hinblick auf Selbständigkeit und Unabhängigkeit in den Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL). Weitere Zielgruppen für die Anwendung des Bobath-Konzeptes sind Menschen mit Krankheitsbildern, wie z. B. Zuständen nach Hirnblutungen (Intracranielle Blutungen, ICB und Subarachnoidalblutungen, SAB), Schädel-Hirn-Traumen (SHT), Zuständen nach neurochirurgischen Operationen, Multiple Sklerose (Enzephalomyelitis disseminata, ED), entzündlichen Erkrankungen des Zentralnervensystems (ZNS), dem apallischen Durchgangssyndrom sowie allen anderen Erkrankungen des ZNS, die mit Spastik bzw. Lähmungen einhergehen. Bei diesen Menschen wird das Bobath-Konzept in allen Bereichen der Pflege, wie der Versorgung auf der Intensivstation, der Akutpflege, der Pflege in der Rehabilitation, der häuslichen Pflege und der Altenpflege und Langzeitpflege erfolgreich eingesetzt. Fachgerechte Pflege nach den Prinzipien des Bobath-Konzeptes ist für den erkrankten Menschen nicht nur erfahrene Hilfe durch Pflege, sondern auch gezielte Therapie an seinen individuellen Problemen. Deshalb spricht man von der Pflegetherapie nach Bobath.
Wie sich das Bobath-Konzept entwickelt hat
Das Bobath-Konzept hat seinen Namen nach seinen beiden im Jahr 1991 verstorbenen Urhebern, der Krankengymnastin Berta Bobath und dem Arzt Dr. Karel Bobath. Die Entwicklung des Bobath-Konzeptes begann etwa um 1943. Frau Bobath entdeckte bei der Behandlung schwer spastischer Patienten, dass die Spastik des Patienten durch bestimmte Lagerungen, Stellungen und Bewegungen nachließ oder sogar verschwand. Sie erkannte, dass Spastik nicht wie bisher allgemein angenommen eine feststehendes, konstantes Phänomen ist, sondern von der Stellung und der Bewegung des Körpers beeinflusst wird. Durch systematische Beobachtung vieler Patienten und Erprobung weiterer Behandlungstechniken entstand so das Bobath-Konzept als empirisches (auf Erfahrungen gestütztes) Behandlungskonzept. Die neurophysiologischen Grundlagen des Konzeptes wurden von dem Neurologen Dr. Karl Bobath, dem Ehemann von Berta Bobath, erarbeitet und das Konzept damit untermauert. Das Ehepaar Bobath bezeichnete die von ihnen entwickelte Arbeitsweise ausdrücklich als ein Konzept und nicht als eine Methode. Das Bobath-Konzept beinhaltet also keine vorgeschriebenen Pflegetechniken, Methoden oder Übungen, die mit allen Patienten in stets gleicher Weise zu absolvieren sind, sondern es berücksichtigt vielmehr die individuellen Möglichkeiten und Grenzen eines Patienten und bezieht diese unter Anwendung einiger Prinzipien in die Pflege und Therapie mit ein. Zunächst wurde das Bobath-Konzept überwiegend bei Kindern mit Zerebralparese eingesetzt. In den 60er Jahren wurde dieses Konzept auf die Pflege und Therapie erwachsener Patienten ausgedehnt. Heute stellt es das erfolgreichste und weltweit anerkannte ganzheitliche Pflege- und Behandlungskonzept für Hemiplegiker und andere Hirngeschädigte dar. Seit 1994 arbeitet in Deutschland eine Organisation von Pflegekräften, die BIKA (Bobath-Initiative für Kranken- und Altenpflege e. V.). Die BIKA fördert die Verbreitung und Weiterentwicklung des Bobath-Konzeptes in der Kranken- und Altenpflege und regelt die Ausbildung von Pflegeinstruktoren für Bobath.
Angestrebte Ziele
Die Ziele des Bobath-Konzeptes ergeben sich aus den zentralen
Problemen von Patienten mit Schädigungen des ZNS: die zentral bedingte
teilweise oder vollständige Lähmung (Parese bzw. Plegie) eines
Körperabschnittes, die damit verbundenen komplexen Bewegungsstörungen,
die unkontrollierte Muskelspannungsveränderung (Spastik, schlaffe
Lähmung), die Störungen im Gesicht des Patienten und beim Kauen und
Schlucken sowie die propriozeptiven Wahrnehmungsstörungen. So ergeben
sich folgende Ziele des Bobath-Konzeptes, die mit der
pflegetherapeutischen Arbeit in Zusammenarbeit mit dem Patienten und
den anderen beteiligten Berufsgruppen erarbeitet werden können.:
- Vermeidung bzw. Hemmung von Spastik und Wiederherstellung eines angepassten Muskeltonus
- Anbahnung normaler, beidseitiger Bewegung
- Vermeidung eines kompensatorischen Fehleinsatzes der weniger betroffenen Seite
- Normalisierung der Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Umwelt
- Anbahnung normaler Gesichts-, Mund-, Zungen und Schlundmotorik
- Selbständigkeit in den Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL).
Weitere Informationen zum Bobath Konzept finden Sie hier
+ Perfetti-Konzept nach Dr. Carlo Perfetti (italienischer Neuropsychiater)
Die “Kognitiv Therapeutischen Übungen” sind eine Behandlungsform für die Rehabilitation von Hemiplegie nach Schlaganfall. Sie unterscheidet sich von den anderen klinisch etablierten Therapien durch den neuen Ansatz, den der italienische Arzt Dr. Carlo Perfetti mit seinen Mitarbeitern entwickelte. Man will in der Behandlung keine Aktivitäten fördern bei denen bestimmte Bewegungsabläufe wiedererlernt werden, da angenommen wird, dass diese zu abnormalem kompensatorischen Bewegungsverhalten führen. Stattdessen sollen dem zentralen Nervensystem (ZNS) bestimmte Grundfähigkeiten wieder vermittelt werden, primär die für Informationsaufnahme und -verarbeitung, daneben aber auch die für Variabilität und die Fähigkeit einzelne Bewegungselemente kontrollieren zu können.
Ziel ist die Organisation bzw. Reorganisation des Nervensystems.
Grundlage der Therapie ist der Tastsinn (Sensibilität), der eine wesentliche Rolle bei der Organisation von Bewegungen spielt. Das ZNS braucht Informationen vom Körper und der Umwelt, um Bewegungen planen und ausführen zu können, d.h. Bewegung und Sensibilität hängen voneinander ab.
Wichtig ist die Förderung des Bewusstseins, der Aufmerksamkeit für die Reizverarbeitung (Wahrnehmung) aus Körper und Bewegung. Daneben wurden auch Erkenntnisse zur Rolle von Motivation und Gedächtnis einbezogen, denn
Ziel sind nicht mehr oder weniger mechanische Abläufe, sondern das kognitive (bewusst-intelligente) Lösen bestimmter Aufgaben unter Nutzung afferenter (sensibler) Informationen.
D.h. der Patient soll lernen eine Aufgabe zu lösen. In der Therapie wird vorher das Ziel und die Durchführung genau erklärt, nicht nur um Aufmerksamkeit und Motivation zu wecken, sondern auch damit die gespürte Bewegung, die zunächst durch den Therapeuten ausgeführt wird, mit der gestellten Aufgabe verglichen werden kann. Denn ohne bewusstes Hinterfragen und Abgleichen der afferenten Informationen kommt es nicht zu der gewünschten Reizverarbeitung und langfristig nicht zu der Fähigkeit des ZNS willkürlich oder reaktiv adäquat Bewegung planen und durchführen zu können.
Das Nervensystem zu reorganisieren bedeutet die Fähigkeit der Interaktion zwischen Patient und Umwelt zu verbessern.
Wie wird die Therapie praktisch umgesetzt?
Die Therapie mit “kognitiv therapeutischen Übungen nach Perfetti” ist keine Behandlungsmethode, da es kein festes Therapieprogramm gibt. Die Therapie folgt bestimmten Grundsätzen und Zielen und entspricht damit einem Konzept. In Deutschland wird das Therapie-Konzept nach Perfetti überwiegend von Ergotherapeuten eingesetzt.
Vor der Behandlung steht eine ausführliche Untersuchung und Überprüfung der Sensibilität, gefolgt von der Analyse der speziellen Symptomatik auf dem Hintergrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Ist das individuelle Problem des Patienten erkannt, wird eine Hypothese formuliert und erst danach das Übungsniveau sowie die einzelnen Übungen ausgewählt. Anhand der Reaktionen des Patienten während der Übungen wird die Hypothese überprüft.
Es gibt verschiedene Übungsebenen:
Übungen 1. Grades:
- keine aktiven Bewegungen (Therapeut bewegt) – geschlossene Augen um Kompensation mit dem visuellen System zu vermeiden Ziel: – Kontrolle abnormer Reaktionen auf Dehnung – Förderung der taktilen und kinästhetischen Sensibilität
Übungen 2. Grades:
- unterstütztes willkürliches Bewegen (erfordert gutes Zusammenspiel von Therapeut und Patient) – schon etwas komplexere Aufgaben möglich Ziel: – Förderung der Wahrnehmung – Kontrolle abnormer Irradiation (überschießende Aktivität benachbarter Muskelgruppen)
Übungen 3. Grades
- selbstständiges Bewegen ohne Hilfe – zunehmend komplexer Ziel: – Kontrolle mehrerer Körperabschnitte, statisch und dynamisch – Kontrolle von Raum (wie weit?, wohin?), Zeit (Dauer, Tempo), Intensität (dosierte Kraftentwicklung)
Die Übungen und der Übungsaufbau werden individuell auf den Patienten abgestimmt und zusammengestellt unter bestimmten Aspekten wie Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und kognitiver Bewegungskontrolle.
Für die Übungen wird spezielles Therapiematerial benötigt. Es handelt sich dabei überwiegend um 2- oder 3-dimensionale Figuren in verschiedenen Größen, Materialien und Formen oder spezielle Konstruktionen, die teilweise in sich mobil sind. Die Kanten der Objekte werden z.B. mit dem Finger ertastet, entweder geführt durch den Therapeuten oder selbstständig. Der Patient soll sowohl die verschiedenen Formen, Strukturen, Materialstärken, Widerstände oder Gewichte, als auch die Distanz und Richtung der Bewegung erspüren und nachvollziehen, sie wieder erkennen und später aktiv reproduzieren.
Wirksamkeit der kognitiv therapeutischen Übungen nach Perfetti
Die “kognitiv therapeutischen Übungen” nach Perfetti sind in ihren Teilaspekten auf den Ergebnissen wissenschaftlicher Studien konstruiert und entwickeln sich analog der neuen Erkenntnisse weiter. D.h. die Therapie wird um manches bereichert, während anderes herausgenommen wird, weil sich der Beleg als nicht mehr haltbar erweist.
Die adäquaten sensomotorische Reize wirken stimulierend auf den Patienten. Er tritt in Interaktion mit der Umwelt und lernt sie wieder “begreifen”. Durch das intensive Training des sensomotorischen Nervensystems kommt es auch oft zu einer Senkung des Muskeltonus (Spastik).
Die Effektivität der gesamten Behandlung in der klinischen Situation von Schlaganfallpatienten mit einer Hemiplegie wurde nach Kenntnis der Autorin bisher aber noch nicht in wissenschaftlichen Studien überprüft.
+ Johnstone-Konzept nach Margret Johnstone (* 1919; † 2006) ist ein Konzept, welches von der schottischen Physiotherapeutin Johnstone, die sich 40 Jahre mit halbseitengelähmten Patienten beschäftigt hat, entwickelt wurde. Das Konzept wird in der Neurologie bei Schlaganfallpatienten eingesetzt. An dem gelähmten Arm (insbesondere für Patienten mit schwerwiegenden Defiziten und niedrigem Erholungspotenzial.) werden Luftpolsterschienen angelegt, um den Arm zu strecken und zu stabilisieren, damit dann Handlungen besser angebahnt werden können. Sie suchte nach Lösungen für 2 Hauptprobleme: Angewendet wird das Johnston-Konzept bei Kindern mit Spastizität, die in der psychomotorischen Entwicklung gestört sind, aber auch bei neurologischen Patienten mit Spastizität.
Was sind die Schwerpunkte der Johnstone-Therapie?
Tonusregulation, Dehnlagerung und zirkulär anhaltende Druck sollen die Spastizität senkendie Fazilitation komplexer Bewegungsabläufe mit handlungsorientierter Zielsetzung, um dem Patienten das Gefühl für harmonische normale Bewegung zu geben. Anbieten von gezielten dosierten sensiblen Reizen, sensible Wahrnehmung ist die Grundlage der Bewegung. Nicht spüren bedeutet nicht benutzen. Auslösen von automatisierten, schnell angepassten Gleichgewichts-, Schutz- und Stützreaktionen. Diese Fähigkeit ist wichtig, um sich unerwarteten Lageveränderungen anzupassen. Anschließend werden Übungen zur taktilen und propriozeptiven Wahrnehmung durchgeführt, da die gedehnten Antagonisten (Muskulatur) nun eher einen normalen Bewegungsablauf zulassen. Die Luftpolsterschienen können auch zur Stabilisierung der betroffenen Extremität eingesetzt werden, während die Therapeutin im Rumpf und Schultergürtelbereich tonusaufbauende Übungen durchführt.Die Luftpolsterschienen können auch bei vielen handlungsorientierten Tätigkeiten benutzt werden. So können zum Beispiel Greifübungen durchgeführt werden, während die Luftpolsterschienen die gewünschte Haltung der Extremität stabilisiert und der Reiz sich auf die Tiefensensibilität verstärkt. Der Vorteil dieses Konzeptes für die Ergotherapie liegt in der Möglichkeit, sensorische und motorische Defizite optimal zu verbinden.
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